Pflanzanleitung für Wildgehölze

Heck, Heck, Hurrah!

Du willst Wildsträucher pflanzen! Das finden wir sehr nice – und die Bienen und Vögel in deinem Garten auch. Das Einpflanzen ist gar kein Hexenwerk, versprochen. Unsere Pflanzanleitung zeigt dir, wie es geht

Warum ist im November die beste Pflanzzeit?

Im Herbst fahren die Pflanzen ihre Stoffwechsel-Aktivitäten zurück , und ein Ortswechsel ist für sie angenehmer. Stell dir vor, du müsstest im Restaurant den Platz wechseln, während du noch am essen bist… Die Pflanzsaison geht zwar bis Ende März (wenn die Pflanzen wieder ihre Aktivitäten steigern), doch es hat eindeutig Vorteile im Herbst zu pflanzen:

  • Der Boden ist dann noch wärmer (solange es keine starken Frostperioden gegeben hat).
  • Die Wurzeln (und die sie versorgenden Mykhorizza-Pilze) haben den Winter über Zeit, Fuß zu fassen.
  • Wenn dann die ersten Frühlingssonnenstrahlen kommen, müssen sie sich nicht erst eingewöhnen, sondern können sofort mit dem Wachstum loslegen.
  • So  können sie auch Trockenperioden besser verkraften, die häufig im Frühjahr auftreten. 
 
 

So pflanzt du richtig

1. Wähle einen guten Ort für deinen Strauch

Er sollte v.a. in der Anfangszeit nicht von anderen Pflanzen beschattet oder überwuchert werden. Gib ihm genügend Raum, vor allem, wenn er alleine stehen soll (mind. 1 m zu jeder Seite).

2. Markiere die Position der Sträucher

Je nachdem, wie deine Hecke später aussehen soll, empfehlen wir dir unterschiedlichen Pflanzabstände zwischen den Sträuchern: Naturhecke (freiwachsend): 1 bis 1,5 m Gartenhecke (dicht, Formschnitt): Pflanzabstand max 50 cm Wenn du eine längere Reihe pflanzt, dann hilft es von Anfang bis Ende eine Schnur zu spannen, um die Spur nicht zu verlieren. Falls du eine breite Hecke mit mehreren Reihen pflanzt, solltest du zwischen den Reihen 1-1,5 m Platz lassen und die Sträucher versetzt pflanzen, also immer auf Lücke. So bekommen auch die hinteren Sträucher Licht, und die Hecke wird später schön dicht.

3. Lerne dein Gehölz kennen

Bevor du anfängst loszubuddeln, nimm dir vielleicht einen Moment Zeit, und mach dich mit deinem Wildstrauch vertraut, bevor du ihm bei dir ein neues Zuhause gibst. Gibt es zum Beispiel Dornen oder Stacheln, an denen du dich verletzen kannst? Welche Farbe hat die Rinde, ist sie rau, kantig oder von Korkwarzen überzogen? Ist das Holz hohl, biegsam oder so fest, dass es leicht bricht? Kannst du bereits Blätter oder Knospen erkennen? Sind sie spitze, klebrig, haarig....? Schau genau hin, denn Du wirst deinem Strauch nie wieder so nah sein wie jetzt 😉

4. Fang an zu buddeln

Am besten geht das mit einem Spaten. Das Pflanzloch sollte mindestens doppelt so tief und doppelt so breit sein wie der Container (Plastiktopf), in dem du deine Pflanze gekauft hast. Lockere den Wurzelballen und die Ränder deines Pflanzloches auf, bevor du den Strauch hineinsetzt. Das ist wichtig, damit die Feinwurzeln, mit denen die Pflanze Nahrung auf nimmt, ihren Weg in die Erde finden. Drücke den Boden rund um die Pflanze mit den Händen kräftig fest. So entsteht gleichzeitig eine Mulde, in der sich später Regenwasser sammeln kann. Setze das Gehölz so tief in den Boden, dass der Wurzelansatz von Erde bedeckt ist. Nicht zu tief, natürlich - der Stamm soll nicht eingegraben werden, sonst fault er. Es dürfen keine Wurzeln frei liegen. Im Pflanzloch sollen sie außerdem nach unten ausgerichtet sein. Wenn sie gestaucht und nach oben gebogen werden, musst du das Loch tiefer graben oder die Wurzeln einkürzen.

5. Sei gut zu den Wurzeln

Wurzeln, die mehr als bleistiftdick sind, solltest du nicht mher beschneiden. Bei wurzelnackten Pflanzen regt es generell das Wachstum an, wenn die Feinwurzeln etwas beschnitten werden - wie Spitzenschneiden bei Haaren. Allerdings solltest du die Gehölze am Ende auch um ein Drittel einkürzen, damit nicht mehr Blattmasse da ist, als die Wurzeln versorgen können. Bei Containerpflanzen gibt es häufig Ringelwuchs, d.h. dass die Wurzeln an der Wand des Topfes entlang im Kreis wachsen. Diese Wurzelringe musst du aufbrechen, damit die Wurzeln ihren Weg ins Erdreich finden. Am besten greifst du mit beiden Händen unten in den Topfballen und brichst ihn zu allen Seiten auf. Du kannst auch eine Gartenschere oder ein Messer zur Hilfe nehmen, um stark verwachsene Wurzeln durchzuschneiden. Sorge auch während der Arbeit dafür, dass die feinen Wurzeln nicht austrocknen! Sie sollten auf keinen Fall unbedeckt in der Sonne oder im Wind liegen! Falls du die Pflanzen nicht direkt nach dem Kauf einpflanzen willst, solltest du die Container regelmäßig gießen. Wurzelnackte Pflanzen sollten eingeschlagen werden, d.h. in einer Grube locker mit Erde oder Sand bedeckt werden, so dass sie nicht einwurzeln.

6. Begieße das Ergebnis

Nimm eine Gießkanne oder den Gartenschlauch und setze das Pflanzloch kräftig unter Wasser. Auf diese Weise wird der Strauch eingeschwemmt, Luftlöcher zwischen den Erdklumpen schließen sich und die Feinwurzeln bekommen überall schönen Kontakt zum Erdreich.  Eventuell siehst du jetzt auch, dass du das Gehölz doch noch ein bisschen tiefer in die Erde setzen oder Erde nachfüllen musst, weil Wurzeln frei gespült wurden. Sobald dann alles chico ist, darfst du dich und deine neuen Gartenfreunde natürlich auch befeiern 😉

7. Sorge für gutes Anwachsen

Wildgehölze sind hart im Nehmen. Deine Sträucher brauchen nicht viel, außer Wasser und Licht. Auf Dünger kannst du verzichten, wenn du ihr Laub liegen lässt - so finden die Nährstoffe in den Boden zurück. In der Anfangszeit solltest du darauf achten, dass der Strauch nicht zu viel Konkurrenz von anderen Pflanzen bekommt, die ihm Licht und Wasser wegnehmen. Vor allem das Pflanzloch solltest du freihalten, in dem du Beikräuter herausziehst oder hackst. Es sollte möglichst nicht überwuchert werden, vor allem nicht von einer dichten Grasnarbe. Bei anhaltend trockenem Wetter solltest du deine Hecke wässern. Eine gute Maßnahme, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten, ist das Mulchen. Hierfür deckst du die Umgebung des Strauchs möglichst flächig mit einer mindestens 5 cm dicken Schicht aus Rindenmulch oder Stroh ab. Den Stamm selbst solltest du dabei aber von Mulch freihalten, er könnte sonst faulen oder anfällig werden für Pilzkrankheiten.

8. Übe dich in Geduld

Falls du deine Sträucher bei einem unserer Aktionstage wie dem Heckenkieken erstanden hast, sind sie etwa drei Jahre alt. Am Anfang scheinen sie kaum zu wachsen. Das liegt daran, dass ihre Wurzeln noch nicht so kräftig sind und sie noch gar nicht so viele grüne Blätter haben, um Photosynthese zu betreiben. In ihrem 5. oder 6. Lebensjahr merkst du dann plötzlich, wie das Wachstum deutlich zulegt – je mehr Zweige, desto mehr Laub, desto mehr Photosynthese, desto mehr Energie, die in Biomasse gespeichert wird usw. Falls du Beerensträucher gepflanzt hast, kann es sein, dass du die ersten Früchte schon im nächsten Jahr entdeckst. Bis es zu einer verwertbaren Ernte reicht, muss du aber sicher noch 3-4 Jahre warten. Das Wachstum der meisten Sträucher erreicht ab dem 10. bis 12. Jahr seinen Höhepunkt, viele sind nach 15 Jahren bereits ausgewachsen.

Und wenn du nun gar nicht mehr genug vom Pflanzen kriegen kannst, dann mach doch bei einer unserer Pflanzaktionen mit oder rette Hecken mit einer Spende.

Danke, dass du dich für den Artenschutz engagierst!

Heckenschnitt

Zwischen 1. März und 30. September sind größere Rückschnitte verboten!

Das hat einen guten Grund, denn dann brüten (hoffentlich viele!) Vögel in deiner Hecke. Kleinere Pflegearbeiten und Formschnitte sind laut Gesetz auch im Sommer erlaubt. Allerdings solltest du dabei Rücksicht auf die Tiere nehmen, die in deiner Hecke leben. Schau doch vorher einfach nach, ob du noch bewohnte Nester findest! Viele Vögel haben in einem angenehmen Sommer eine zweite Brut und wollen auch im Juli nicht gestört werden…

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