Wunderbare Herbstfärbung: Der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus) ist Strauch des Jahres 2025
Wunderbare Herbstfärbung: Der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus) ist Strauch des Jahres 2025

Strauch des Jahres 2025: Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus)

Wunderschöne nektarreiche Sommerblüten, eine beeindruckende Herbstfärbung und knallrote Früchte, die bis tief in den Winter als Vogelnahrung dienen – mehr braucht es für uns eigentlich nicht, um den Gemeinen Schneeball zu feiern. Es gibt aber noch einen handfesten, aktuellen Grund, warum wir den Schneeball (Viburnum opulus) zum Strauch des Jahres 2025 gekürt haben. Das ist seine Fähigkeit, den Wasserhaushalt im Boden zu regulieren.
Mancherorts wird der Gemeine Schneeball auch “Wasserholler” genannt, in Anlehnung an den Holunder, mit dem der Schneeball als Moschuskrautgewächs verwandt ist. Der Gemeine Schneeball verträgt Staunässe und zählt zu den so genannten pumpenden Gehölzen, die viel Wasser aufnehmen und verdunsten und so zum Beispiel feuchte Bodensenken trocken legen können. Angesichts zunehmenden Extremwetter-Ereignisse mit Starkregen und zeitweise überfluteten Feldern macht diese Eigenschaft den Gemeinen Schneeball als Gehölz für Klimaanpassungsmaßnahmen im Garten- und Landschaftsbau und in der Landwirtschaft interessant. Zumal der Schneeball zwar die Feuchtigkeit liebt, aber robust genug ist, auch trockenere Phasen zu überstehen.
Bekanntgabe Strauch des Jahres 2025 Thumbnail Youtube Video (c) Nikolas Baumgartner Heckenretter e.V.
Heckenretter-Vorsitzende Alexandra Werdes begründet im Video , warum sich die Mitglieder bei der Wahl zum Strauch des Jahres für den Gemeinen Schneeballs entschieden haben
Als wichtiges Nährgehölz für Vögel, Kleinsäuger und Schmetterlinge trägt der Strauch des Jahres 2025 zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Der Gemeine Schneeball ist eine wichtige Futterpflanze für Raupen und eine der wenigen Nektarpflanzen für den vom Aussterben bedrohten Kleinen Maivogel (Euphydryas maturna). Um Insekten anzulocken, sind die Blütendolden von einem dekorativen Kranz großer Scheinblüten umgeben, ähnlich wie bei Hortensien. Die eigentlichen Blüten im Zentrum der Trugdolde sind unscheinbar und vor allem für Schwebfliegen interessant, die keinen langen Rüssel haben, um an Nektar zu gelangen.
Viburnum-opulus_Schneeball_Bluete_(c)Alexandra-Werdes-Heckenretter-e.V
Die schneeweißen Blüten erscheinen ab Mai, ein Kranz großer Scheinblüten lockt Insekten zur eigentlichen Nektarquelle

Seine leuchtend roten Früchte, die wie Glasperlen am Strauch hängen, signalisieren im Winter schon von weitem, dass da noch Proteine und Vitamine zu holen sind. Mehr als 20 Vogelarten ernähren sich in der Notzeit davon. Für Menschen sind die Früchte des Gemeinen Schneeballs roh giftig! Erst durch Erhitzen zersetzen sich die Toxine, und man kann die Beeren zu Gelee und Saft verarbeiten. Vor allem in Osteuropa ist diese Tradition verbreitet, dort wird das “Schneebällchen” (“Kalinka”) sogar besungen.

Viburnum-opulus_Schneeball_Fruechte-im-Sommer_(c)Alexandra-Werdes-Heckenretter-e.V
Die glasigen Früchte färben sich leuchtend rot und bleiben bis tief in den Winter am Strauch hängen. Sie sind roh für Menschen giftig, werden in Osteuropa und der Türkei aber traditionell zu Gelee und Saft verarbeitet

Selbst wenn man sich nicht traut, sie zu verarbeiten: Die Früchte sind so dekorativ, dass es sich lohnt, ein schönes Plätzchen im Garten für den Gemeinen Schneeball zu finden. Auch weil, sich die ahornartigen Blätter im Herbst von Grün über Orange bis zu Weinrot färben. Als Solitär wird der Gemeine Schneeball nicht höher als 4 Meter, und da er schnittverträglich ist, passt er sogar in kleine Hecken. Das macht ihn auf jeden Fall auch als Blickfang für den Kleingarten oder Schrebergarten interessant.

Wenn du keinen eigenen Garten hast, kannst du uns auch helfen, den Gemeinen Schneeball in der freien Landschaft zu pflanzen. Am einfachsten geht das mit einer Strauchpatenschaft:
Viburnum-opulus_Schneeball_Fruchtdolden-im-Herbst_(c)Nikolas-Baumgartner-Heckenretter-e.V
Hingucker im Herbst: Die ahorn-ähnlichen Blätter des Gemeinen Schneeballs färben sich von Grün über Orange zu Weinrot

Ein paar Fun Facts über den Schneeball

  • Die Schneeball-Beeren enthalten im Verhältnis zehn Mal mehr Vitamin C als Orangen. Allerdings sind sie roh giftig, und die Ernte ist um einiges mühseliger, um auf dieselbe Menge zu kommen.
  • Beim Kochen verströmen die giftigen Beeren einen starken Geruch, der wahlweise an „alte Socken“ oder „nassen Hund“ erinnert. Auch der bittere Geschmack ist gewöhnungsbedürftig und wird durch Frost gemindert.
  • In der türkischen Volksmedizin gilt der Saft der roh giftigen Schneeballbeeren als Gesundheitselixier. In Anatolien wird ein stark verdünntes und gesüßtes Erfrischungsgetränk namens Gilabora daraus hergestellt.
  • Regionale Namen des Gemeinen Schneeballs wie „Drosselbeere“ oder „Gimpelstrauch“ weisen darauf hin, dass der Strauch im Winter wichtige Vogelnahrung bietet. Aufgrund des dickflüssigen Fruchtsaftes wird er mancherorts auch „Blutbeere“ genannt.
  • Das ukrainische Volkslied „Chervona Kalyna“ („Roter Schneeball“) besingt den Gewöhnlichen Schneeball und wurde nach der russischen Invasion 2022 durch Andrij Chlywnjuk und die ukrainische Band BoomBox plötzlich wieder populär.
  • Der Wollige Schneeball (Viburnum lantana) ist der einzige weitere heimische Vertreter der Gattung Viburnum in unseren Breiten. Anders als der Gewöhnliche Schneeball mag er lieber trockene Standorte.
Viburnum opulus_Schneeball_am Wasser_(c)Alexandra-Werdes-Heckenretter-e.V
Der Gemeine Schneeball wird auch "Wasserholler" genannt. Er verträgt Staunässe und ist deshalb auch oft an Ufern oder in überfluteten Bruchwäldern zu sehen.
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