Falsche Knickpflege
Falsche Knickpflege: Hier wurde mit der Knickschere das Gehölz bis in den Wurzelstock gespalten. und ist anfällig für Krankheiten.

Knickpflege als Kulturerbe ist schön ­- modernes Knickmanagement wäre besser

Das schleswig-holsteinische Kulturministerium will die „Tradition der Knickpflege“ zum Immateriellen Kulturerbe erklären lassen. Finden wir eine gute Idee! Noch besser wäre es allerdings, wenn das Land Mittel für den Aufbau eines modernen Knick-Managements zur Verfügung stellen würde. Denn die norddeutschen Knicks zeugen nicht nur von einer vergangenen Kulturtechnik, sie erfüllen ganz aktuell auch heute zahlreiche Ökosystemleistungen – gesetzt den Fall, sie werden fachgerecht gepflegt. Das ist aber leider nur noch selten der Fall.

Falsche Knickpflege
Ausgefranste Stubben, nachdem der Knick auf den Stock gesetzt wurde: So sollte Knickpflege nicht aussehen.

Zuletzt hat eine Studie mit Beteiligung der Universität Bremen auf die Bedrohung der Knicks durch mangelnde oder schlechte Pflege aufmerksam gemacht. Um seine Vitalität zu behalten, muss ein Knick alle 10 bis 15 Jahre auf den Stock gesetzt werden und neu austreiben. Traditionell wurde dabei ein Teil der Triebe nur umgelegt („geknickt“) – eine Handarbeit, die sich heute niemand mehr leisten kann. Stattdessen kommt die Knickschere zum Einsatz. Wird diese Arbeit nicht sorgfältig ausgeführt, gelangen Krankheitserreger in das gespaltene Holz und führen zum Absterben der Gehölze.

Durch falsche Knickpflege verlieren Knicks ihre Ökosystemfunktionen

Falsche Knickpflege
Starker seitlicher Rückschnitt ist keine fachgerechte Knickpflege: Die Hecken verholzen und kahlen unten herum aus.

Dies ist aber bei weitem nicht das größte Problem: Viele Knicks werden gar nicht mehr auf den Stock gesetzt und wachsen zu Baumreihen aus. Oder die Knicks werden immer wieder seitlich so hart beschnitten, dass sie verholzen und kaum noch Blüten und Früchte hervorbringen, die eine unverzichtbare Nahrungsquelle für Vögel und Insekten sind. Ebenso fatal wirkt es sich auf die Artenvorkommen aus, wenn die Knicks nicht abschnittsweise, sondern entlang des gesamten Ackers auf den Stock gesetzt werden. So sind plötzlich weithin alle Nahrungsquellen versiegt und die Brutplätze verschwunden.

Die gängigen Praktiken stehen häufig im Widerspruch zur geltenden Knickschutzverordnung, aber das wird selten geahndet. Bußgelder wären auch nicht der richtige Weg, um die Knicks zu retten, finden wir. Stattdessen sollte der Nutzen der Hecken wieder erkannt werden und die Pflege aus Wertschätzung erfolgen. Genau darauf wirken wir mit unserer Arbeit hin!

Nach dem Motto “Nutzen, um zu schützen” wollen wir eine Wertschöpfungskette rund um die Hecke in Gang bringen und setzen uns für eine extensive Bewirtschaftung der Knicks ein. So helfen wir Landwirten mit unseren Patenschaften ganz konkret, Hecken anzupflanzen, die zum Beispiel für die Ernte bestimmter Früchte optimiert sind, und regen dazu an, neue Produkte aus diesen unterschätzten Superfruits auf den Markt zu bringen. Politisch fordern wir ein übergreifendes Heckenmanagement, damit auch die Knicks, die “nur” dem Naturschutz dienen, fachgerecht gepflegt werden können. Dafür müssen Kriterien entwickelt und auch das nötige Wissen vermittelt werden.
Knickpflege
Kein Kahlschlag: Dieser Knick wurde auf den Stock gesetzt. Größere Bäume bleiben als Überhälter stehen.

Jene Landwirte, die sich an diese Kriterien halten, sollten hierfür auch unabhängig von den üblichen Agrarsubventionen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) durch ein staatliches Programm gefördert würden. Schließlich übernehmen sie hier eine wichtig Ökosystemleistung für die gesamte Gesellschaft.  Sinnvoll wäre außerdem, die Knickpflege unter den verschiedenen Landeigentümern – neben den Landwirten auch Kommunen – abzustimmen und mit digitaler Unterstützung effizient zu gestalten. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der zunehmend umkämpften Ressource Holz hieße das, die Knicks als Kohlenstoffsenke und gleichzeitig als wertvolle Energiequelle aus nachwachsenden Rohstoffen endlich ernst zu nehmen.

Hierbei könnte sich Deutschland ein Beispiel an Frankreich nehmen: Dort gibt es mit dem „Label haie“ bereits ein Siegel für Holz-Hackschnitzel aus Hecken, die unter Berücksichtigung des Naturschutzes vorbildlich bewirtschaftet werden. Auf diesem Weg bliebe auch das Kulturerbe Knickpflege nicht „immateriell“, sondern würde weiterhin handfesten Nutzen für alle bringen.

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